Kölner Stadtschreiber

Streifzüge im Schatten des Doms

Autor: Bernd Vielhaber (Seite 14 von 14)

Die Leiden eines Sauerländer Antifaschisten in Köln oder Warum ich diesmal nicht zur Demo ging

KOMMENTAR. Oh nein, nicht schon wieder Karneval! Ich wohne jetzt schon seit fast dreißig Jahren in dieser komischen Stadt und weiß daher, wovon ich spreche: Wir neigen dazu, alles, aber auch wirklich alles als Anlass für eine Karnevalsfeier zu nehmen. Diesmal war es der Parteitag der AfD, der gestern und vorgestern im Maritim Hotel über die Bühne ging.

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Sauerländer Wörter

Nun bin ich ja Sauerländer. Da kann man nichts dran machen. Und weil das so ist, rutschen mir immer mal wieder so komische Wörter raus, die hier in Köln kein Mensch versteht. Damit du keine Malessen damit hast, habe ich dir hier alles schön münnekesmote gemacht, damit du nicht trirselig wirst.

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Robert Blums Abschiedsbrief an seine Frau

„Mein teures, gutes, liebes Weib, lebe wohl, wohl für die Zeit, die man ewig nennt, die es aber nicht sein wird. Erziehe unsere – jetzt nur Deine Kinder zu edlen Menschen, dann werden sie ihrem Vater nimmer Schande machen. Unser kleines Vermögen verkaufe mit Hilfe unserer Freunde. Gott und gute Menschen werden Euch ja helfen. Alles, was ich empfinde, rinnt in Tränen dahin, daher nochmals: leb wohl, teures Weib! Betrachte unsere Kinder als teures Vermächtnis, mit dem Du wuchern mußt, und ehre so Deinen treuen Gatten. Leb wohl, leb wohl! Tausend, tausend, die letzten Küsse von Deinem Robert. Wien d 9. Nov. 1848 Morgens 5 Uhr, um 6 Uhr habe ich vollendet. Die Ringe habe ich vergessen; ich drücke Dir den letzten Kuß auf den Trauring. Mein Siegelring ist für Hans, die Uhr für Richard, der Diamantknopf für Ida, die Kette für Alfred als Andenken. Alle sonstigen Andenken verteile Du nach Deinem Ermessen. Man kommt! Lebe wohl! Wohl!“

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Lied vom Robert Blum (1849)

Von Ludwig Pfau (1821-1894)

Was rasseln denn die Trommeln
Durch Wien so dumpf und schwer?
Was kommt denn durch die Tore
Im Trauerzug einher?
Sie führen ihn zum Tode
Beim ersten Morgenrote,
Den treuen Robert Blum.

Und zwischen den Soldaten
Geht er mit festem Schritt,
Der Mann der Barrikaden,
Den Tod, den fürcht’t er nit.
„Ihr Fernen und ihr Meinen!
Lebt wohl!“ Da tät er weinen,
Der arme Robert Blum.

„Mein Weib und meine Kinder
Sind dir, mein Volk, vermacht;
Nur Tränen laß ich ihnen,
Drum hab du ihrer acht.
Hab acht auf dein Versprechen:
Die Freiheit soll uns rächen,
Dich und den Robert Blum.

O März, o schöner Märzen!
Wie bist du schon so weit!
November mußt‘ es werden,
Da ist es Säens Zeit.
Mein Blut, das wollen sie säen,
Hei! das wird auferstehen,
Aus jedem Tropfen ein Blum.

Euch Soldaten sei vergeben
Mein Mord und eure Schand‘;
Für die Freiheit darf ich sterben,
Ade mein deutsches Land!
Mein Blut darf ich dir schenken,
So wollest du mein gedenken,
Des treuen Robert Blum.“

 

Ludwig Pfau: Gedichte. 4., durchgesehene und vermehrte Auflage. Stuttgart: Bonz 1889. S. 354-355 .
Alle Rechte dieser Edition vorbehalten! © 1997-2012 by Günther Emig.

 

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Gibt’s das? Das wär’s!

23. März 2017. Bernd Vielhaber (*1959) sitzt auf einer Bank am Kölner Clodwigplatz und dreht die Zigarette geübt, bevor er genüsslich den ersten Zug nimmt. Er beobachtet seine Umgebung. Wäre er Schauspieler, würde man ihn eher als Charakterkopf denn als Lebemann besetzen. Spielen könnte er die ein oder andere Rolle, denn er ist vieles im Leben gewesen: Student, Demonstrant, Kriegsdienstverweigerer, Hilfsarbeiter, Barkeeper, Spielplatzgeräte-Aufsteller, Lektor und Journalist. Eher „kantig“, das sagt man den Sauerländern ja nach. Als geradlinig kann man das Leben des gebürtigen Langscheiders auch nicht bezeichnen.  Seine Stimme klingt angenehm heiser, und es schwingt ein wenig „Pott“ mit, wenn er erzählt.

Ein Porträt von Alexandra Runge 

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