Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich all die Menschen zutiefst bedaure, die zu Hause eine eigene Waschmaschine haben und deswegen niemals in einen Waschsalon gehen? Sie wissen gar nicht, wie viele wundervolle zwischenmenschliche Erlebnisse und lustige Begebenheiten ihnen dadurch entgehen.

Mal wieder im Waschsalon.

Diesmal zieht eine ältere, sehr hochgewachsene und trotz ihrem kräftigen Körperbau mager und insgesamt sehr flatternd wirkende Dame meine Aufmerksamkeit auf sich.

Sie hat eine Maschine mit Wäsche befüllt, am Bezahlautomaten alles richtig gemacht, dann aber Waschpulver und Weichspüler in die Füllkammer einer Maschine gegeben, die sie am Automaten nicht programmiert hatte.

Zur Lösung dieses Problems hat sie die Füllkammer der falschen Maschine mitsamt den besagten Chemikalien sowie die leere Füllkammer der richtigen Maschine komplett aus ihren Fassungen herausgezogen, um sie gegeneinander auszutauschen.

Gute Idee, denke ich, so hätte ich’s auch gemacht.

Leider stellt sich nun heraus, dass – obwohl alle Geräte vor Ort absolut identisch aussehen – die volle Kammer nicht in die richtige Maschine passt und die leere nicht in die falsche.

Nach einer Stutzminute entscheidet sie sich für diese Vorgehensweise:

Sie schiebt die Kammern zurück in die Ausgangspositionen und greift mit ihren Fingern das Waschpulver portionsweise von der einen in die andere um. Dabei rieselt schon einiges zu Boden.

Das mit dem Weichspüler ist nicht so einfach. Sie zieht die Kammer aus der falschen Maschine wieder komplett heraus, öffnet die Kammer der richtigen Maschine und bemüht sich, die Flüssigkeit von der falschen Kammer zielgenau in die richtige fließen zu lassen. Wegen des damit verbundenen Höchstmaßes an Konzentration vergisst sie, dass vor ihren Füßen die Tasche steht, aus der sie vorher die Wäschestücke in die Maschine gefüllt har. Sie stolpert darüber und gießt mehr als die Hälfte des Weichspülers aus der falschen Kammer auf den Boden vor der Waschmaschine gleich daneben.

Der Rest davon landet auf meiner Tasche, die ich vor der Waschmaschine gleich daneben, also der falschen, auf dem Boden habe stehen lassen.

„Ach herrje!“, entfährt es ihr.

Nach einer weiteren Stutzminute drückt sie auf den Knopf, der das Waschprogramm startet, taumelt, fängt sich wieder, blickt um sich und wird gewahr, dass auf der Bank, auf der ich die ganze Zeit gesessen und diese Begebenheit verfolgt habe, noch ein Platz frei ist.

Sie schaut mich an, ich lächle in ihre Augen, ihr Gesicht beginnt zu leuchten.

„Da habe ich mich wohl vertan!“, ruft sie und lässt sich heftig seufzend neben mir auf der Bank nieder.

„Ja“, leuchte ich zurück und schaue mir die Sauerei aus Pulver und Weichspüler an, die sie vor unseren beiden Maschinen auf dem Boden angerichtet hat. „Sie haben die leere Kammer aus der falschen Waschmaschine noch nicht wieder in die richtige zurückgeschoben.“

„Ach!“, ruft sie und springt gleich wieder auf. „Ich will ja auch noch einkaufen gehen!“

Und schon greift sie ihren Trolley und eilt davon.

Viel Glück, alte Lady! Ich räume für dich auf, und ich mache das gerne.

Pass gut auf dich auf!

 

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