Kölner Stadtschreiber

Streifzüge im Schatten des Doms

Das Wasser im Rhein ist nicht unser Wasser

Vater Rhein war lange vor uns da – und im Unterschied zu unseren leiblichen Vätern wird er auch noch da sein, wenn der Strom unseres Lebens längst versiegt ist. Vater Rhein weiß nichts, will nichts und trägt alles mit sich fort. Du kannst deine Hand nicht zweimal in denselben Fluss tauchen.

Einer meiner Lieblingsplätze in Köln ist diese kleine Bank im „Rheingarten“, im Schatten einiger Bäume, gleich bei der Hohenzollernbrücke. Zu meinem Bedauern sehen viele andere das auch so, und so ist diese Bank in aller Regel besetzt.

An einem schönen Tag im Frühling hatte ich jedoch einmal Glück, als ich mich diesem Ort hoffnungsvoll näherte: Das ältere Ehepaar, das sich dort ausgeruht hatte, stand soeben auf und schlenderte davon. Also nahm ich Platz und genoss die wunderbare Aussicht.

Menschen gingen vorüber. Ein kleiner Junge mit einer Schlägerkappe und einem Gitarre spielenden Affen auf dem T-Shirt. Eine Gruppe von Touristen mit Headsets auf den Ohren, durch die sie den Worten ihres Führers lauschten, der mit einem Schild in der Hand vorausging.

Junge Paare, schlendernd, manche eilig, essend oder in inniger Umarmung, plaudernd oder still. Paare mit Kindern. Motorengeräusche von den Zügen auf der Hohenzollernbrücke und von Schiffen auf dem Fluss: Lastkähne und Ausflugsboote. Ein unablässiges Stimmengewirr, in das sich die schwindsüchtigen Laute eines Dudelsacks mischten, der im Hintergrund bei der Brunnenanlage gespielt wurde, wo ein Gaukler zum Vergnügen der Kinder Riesenseifenblasen steigen ließ.

Am Steg der Köln-Düsseldorfer lag die „Jan von Werth“ vor Anker, menschenleer. Einige Möwen ruhten sich auf der Reling aus und genossen mit geschlossenen Augen das sanfte Schaukeln der Wellen. Der Fluss ging ruhig, das Hochwasser der letzten Wochen war abgeflossen. Das Treibgut, das es an den Tauen und Kanten der Landungsbrücken hinterlassen hatte, war bereits entfernt worden.

Auf den Mauern saßen Jugendliche, aßen Eis oder Pizza, tranken Limonade oder Bier, lachten miteinander oder ließen sich schweigend die Sonne auf den Pelz brennen.

Der Achtzigjährige, der ausgebüxt war

Dann sah ich ihn kommen: Alt, aber ungebeugt, eher knorrig von Statur wie ein geübter Bergsteiger, die Hände auf dem Rücken ineinander gelegt, setzte er behutsam einen Schritt vor den anderen und delektierte sich erkennbar an den Strahlen der Frühlingssonne. Er trug leichte, unauffällig elegante Frühlingskleider. Zwar verriet seine Haltung eine starke Willenskraft, doch die Lachfalten um Mund und Augen ließen auf eine insgesamt milde Wesensart schließen.

Nun entdeckte er die Bank, auf der ich saß, blieb kurz stehen und steuerte dann auf mich zu.

Mit einem Blick und einer Geste bat er um Erlaubnis, sich neben mich zu setzen, und auf ebensolche Weise bedeutete ich ihm mein Einverständnis. Bedächtig ließ er sich auf die Sitzfläche sinken. Er suchte ein Gespräch, das fühlte ich.

Vorsichtig lehnte ich mich zurück, faltete die Hände im Schoß und sah ihm in die Augen. Er blickte offen zurück.

„Ich habe heute Geburtstag“, verriet er mir. „80 Jahre bin ich jetzt. Bin ausgebüxt, so wie der Hundertjährige in diesem Buch. Sie kennen die Geschichte?“

„Ja“, antwortete ich. „Ziemlich haarsträubende, aber äußerst amüsante Story.“

„Natürlich bin ich nicht durchs Fenster geklettert. Das wäre ja auch ziemlich albern, schließlich ist mein Zimmer im zweiten Stock einer Seniorenresidenz. Nicht weit von hier.“

Er lächelte spöttisch. „Jedenfalls weiß keiner, dass ich jetzt hier bin. Außer Ihnen natürlich, junger Mann.“

„Wird man Sie denn nicht vermissen?“

„Haben Sie Kinder, junger Mann?“

„Zwei. Einen Sohn und eine Tochter. Beide sind längst erwachsen und leben ihre eigenen Leben.“

„Einen Sohn und eine Tochter“, seufzte er. „Sind Sie stolz auf Ihre Kinder?“

„Sehr sogar. Sie sind wunderbare Menschen.“

„Das ist wirklich schön. Ich selbst hatte nie das Glück, eine Frau zu finden, mit der das möglich gewesen wäre. Jetzt habe ich gar keine Verwandten mehr. Alle tot. Deswegen wird mich auf meiner Geburtstagsfeier in der Residenz auch keiner vermissen. Die anderen Alten da interessieren sich sowieso nur für den Kuchen, den es aus diesem Anlass gibt. Ist eigentlich auch egal. Es gibt ja doch jeden Tag Kuchen.“

Über die Vergänglichkeit von Liebesschwüren

Wieder wanderten seine Blicke zur Hohenzollernbrücke. Sein Mienenspiel ließ mich eine starke seelische Auseinandersetzung vermuten.

„Wenn ein Mann sein Ende vor Augen hat, will er wissen, ob sein Leben einen Sinn gehabt hat“, sagte er dann.

„Das Leben hat keinen Sinn“, erwiderte ich. „Es will einfach nur gelebt werden, das ist alles.“

„Das sehe ich anders!“, widersprach er heftig. „Ein Mann kann dieser Welt seine Spuren aufdrücken und denen, die nach ihm kommen, etwas Wertvolles hinterlassen. Das ist der Sinn des Lebens!“

Ich schwieg.

„Sehen Sie doch nur all diese Liebesschlösser an den Geländern der Hohenzollernbrücke“, fuhr er fort. „Die Leute kommen von weit her, um dort ein Zeichen ihrer Verbundenheit zu hinterlassen.“

„Bei vielen werden die Liebesschlösser an der Hohenzollernbrücke länger halten als ihre Beziehungen“, entgegnete ich.

„Ja, bestimmt sogar. Aber ist es nicht trotzdem schön, etwas zu hinterlassen, das die Flüchtigkeit des menschlichen Lebens überdauert? Früher haben wir unsere Liebesschwüre in Baumrinden geritzt. So ein Baum kann Hunderte von Jahren alt werden. Und sogar wenn die Menschen und ihre Kinder und selbst die Kinder ihrer Kinder schon lange tot und verfault sind, lebt der Liebesschwur noch weiter in der Rinde des Baumes. Er wächst sogar mit dem Baum und wird immer größer! Ist das nicht schön?“

„Das ist wirklich schön“, sagte ich, und wir schwiegen wieder eine Weile.

Trampelpfade durch die Erinnerung

„Diese Brücke da“, er zeigte mit dem Daumen auf die Hohenzollernbrücke, „die habe ich gebaut. Natürlich nicht alleine“, fügte er schelmisch hinzu und stupste mich leicht am Arm, „und natürlich auch nicht zur Kaiserzeit.“

„Natürlich nicht“, sagte ich. „Denn dann säßen Sie jetzt nicht neben mir.“

„Sie war in einem schrecklichen Zustand nach dem Krieg“, erzählte er. „Haben Sie schon einmal auf Fotos gesehen, wie die Kölner Innenstadt unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ausgesehen hat? Ein schreckliches Desaster, eine Trümmerwüste, die einem das Herz zerriss. Alle Brücken waren zerstört. Mein Vater hatte vor dem Krieg und auch noch bis Ende 1944 ein kleines Geschäft in der Nähe des Buttermarktes betrieben – ich weiß nicht mehr, worum es sich dabei handelte. Als die Bombenangriffe immer schlimmer wurden, fanden wir Unterschlupf bei Verwandten im Bergischen, in einem kleinen Dorf in der Nähe von Herkenrath. Von dort aus konnten wir ins Rheintal hinabschauen und das Inferno in Köln mit ansehen. Es war grauenhaft.“

Eine Hochzeitsgesellschaft fuhr in klingelnden Rikschas vorüber, das Brautpaar vorneweg, glücklich lächelnd. Ein Pfandpirat zog vorbei und untersuchte die Müllfänger. Die Plastiktaschen, die er in einem großen Einkaufswagen vor sich her schob, waren prallgefüllt. Der alte Mann neben mir beobachtete ihn gewissenhaft und nahm seine Erzählung erst wieder auf, als der Pirat unser Sichtfeld verlassen hatte.

„Jedenfalls: Kurz nach dem Ende des Krieges – ich glaube, es war im Juni oder Juli 1945 – ging ich mit meinem Vater zurück in die Stadt. Er wollte nachschauen, was von seinem Laden noch übrig geblieben war. Die Amerikaner hatten aus Pontons und Holzplanken eine Behelfsbrücke über den Rhein gebaut. Aber zuerst mussten wir uns in einer Baracke am Deutzer Ufer entlausen lassen – mit DDT! Sehr wirksames Gift, nicht nur bei Läusen!“

Das zynische Lachen, mit dem er diesen Absatz beschloss, ging in einen Hustenanfall über, dessen Dauer ich nutzte, um mir eine Zigarette zu drehen. Der Alte zog ein gebügeltes und mehrfach gefaltetes Stofftaschentuch aus der Brusttasche seines Jacketts und wischte sich erst die Augen und dann den Mund damit ab.

„Ich war damals sieben Jahre alt und in Köln aufgewachsen, aber ich fand mich in meiner Heimat nicht mehr zurecht. Selbst mein Vater – eigentlich ein starker und lebenslustiger Mann – konnte seine Tränen kaum zurückhalten, nachdem wir die schwimmende Brücke überquert und die Trümmerlandschaft betreten hatten. Der Dom stand noch, allerdings hatte auch der schwer was abbekommen. Groß Sankt Martin war auch noch da … Alles andere war einfach nicht wiederzuerkennen. Es gab keine Straßen mehr. Nur noch Trampelpfade entlang der Berge aus Schutt, so schmal, dass wir hintereinander gehen mussten.“

„Und überall beißender Qualm von den Holzfeuern, über denen diejenigen, die in dieser Hölle leben mussten, im Freien ihr Essen kochten. Von manchen Häusern waren nur einige Wände weggebrochen, und nun standen sie da wie Puppenstuben ohne Puppen darin. Häuser, die aussahen, als hätte man sie erst mit einem gewaltigen Messer in zwei Hälften geschnitten und dann eine Hälfte einfach weggeworfen. Ich sah Schlafzimmer, in denen noch die Betten und Kommoden standen, Küchen mit allen Gerätschaften, eine Tischlerwerkstatt mit Ratten auf der Hobelbank. Hier und da hingen Zettel an Mauerresten oder umgeknickten Laternenpfosten, auf die Überlebende ihre Botschaften geschrieben hatten: Sie suchten ihre Angehörigen oder teilten mit, wohin es sie selbst verschlagen hatte.“

„Wir irrten umher, aber mein Vater konnte seinen Laden nicht wiederfinden. Ich spürte, wie sich seine Hand, an der ich mich ängstlich festhielt, immer mehr verkrampfte, seine Schritte wurden langsamer und schwerer. Schließlich gaben wir auf und kehrten zurück. Auf der Mitte der Pontonbrücke konnte ich meine Blicke nicht von der Hohenzollernbrücke wenden. Ich weiß noch, wie ich dachte, dass ein schrecklicher Riese durch den Rhein gestapft war und die Brücken mit seiner Riesenaxt einfach in Stücke gehauen hätte. Na ja, wie gesagt, ich war damals sieben Jahre alt.“

Über die Haltbarkeit von Kinderschwüren

„Und dann schwor ich feierlich – und ich sagte es laut, denn ich wollte, dass mein Vater es hörte. Ich wollte diesem offensichtlich gebrochenen Mann etwas von meiner Kraft abgeben. ‚Papa‘, sagte ich, ‚ich werde diese Brücke wieder aufbauen!‘ Niemals werde ich den Gesichtsausdruck vergessen, den diese Worte bei ihm hervorriefen. Es war, als wenn … ja, als wenn ein kleines Licht in seinen Augen zu leuchten begonnen hätte. Er kniete nieder und nahm mich in die Arme. Und da, auf diesen schwankenden Holzplanken in der Mitte des Flusses, hatte ich das ganz starke Gefühl, dass diesmal nicht er mich, sondern dass ich ihn beschützte. Können Sie sich vorstellen, was dieses Gefühl mit einem siebenjährigen Jungen macht?“

„Ja“, sagte ich, „das kann ich. Ich habe etwas Ähnliches einmal mit meinem eigenen Vater erlebt.“

Ein Trüppchen von zehn oder zwölf Hare-Krishna-Jüngern mit Zöpfen an den sonst kahlgeschorenen Schädeln zog vorüber, einen einfachen Refrain in einer fremden Sprache singend ‑ einige von ihnen schlugen winzige Becken.

„Wissen Sie, was das Beste an der ganzen Geschichte ist?“, fuhr der alte Mann fort. „Es waren gar nicht die Alliierten gewesen, die die Hohenzollernbrücke zerstört hatten! Obwohl sie es ‑ weiß Gott! ‑ versucht hatten. Die deutsche Wehrmacht hat die Brücke auf ihrem Rückzug in die Luft gejagt. Im März! Kurz vor dem Kriegsende!“

Er seufzte. „Natürlich war ich viel zu jung, um die Hohenzollernbrücke wieder aufzubauen. Und natürlich konnte Köln nicht darauf warten, bis ich alt genug dafür sein würde. 1948 hatte man ein Provisorium gebaut, der südliche Brückenzug wurde nicht erneuert. Aber ich … ich machte einfach weiter. Und das, obwohl mein Vater schon tot war. Lebt Ihr Vater noch, junger Mann?“

„Leider nein, schon seit über 20 Jahren nicht mehr.“

„Vermissen Sie ihn?“

„Manchmal sehr, meistens aber nicht. Das Leben geht weiter, oder?“

„Ja, das tut es … immer weiter. Ich studierte und wurde ein Ingenieur. Ich baute Brücken auf der ganzen Welt. Mit Leidenschaft! In den USA, in Japan, in China, in Peru! Ich war wie besessen davon, Brücken zu bauen! Und dann, Mitte der Achtzigerjahre, schlug endlich meine große Stunde: Die Hohenzollernbrücke sollte für den S-Bahnverkehr um einen dritten Brückenzug erweitert werden! Ich ließ alles stehen und liegen und heuerte bei dem Unternehmen an!“

„Wow“, murmelte ich.

„Das war eine richtig große Nummer“, sagte er mit leuchtenden Augen. „Acht Gesellschaften hatten sich zu einer Arbeitsgemeinschaft verbunden, um das zu stemmen. Und ich saß mit am Tisch. Da, wo die Pläne gemacht, die Aufträge vergeben und die Entscheidungen getroffen wurden. Und ich habe in all den Jahren, die es dauerte, dieses Projekt zu verwirklichen, jeden einzelnen Tag an meinen Vater gedacht.“

„Es ist schön zu wissen, dass man seiner Heimat etwas gegeben hat, das den eigenen Tod noch lange überdauert“, sagte ich.

„Ja“, seufzte der Alte und sah mir noch einmal tief in die Augen. „Aber ich bin mir da jetzt nicht mehr so sicher wie vorhin. Jetzt denke ich, ich hätte lieber Kinder, so wie Sie. Kinder, auf die ich stolz sein könnte.“

Vater Rhein und andere Väter

„Kinder machen kann jeder“, wandte ich ein. „Sehen Sie sich doch einmal um. Aber die Hohenzollernbrücke bauen, das kann eben nicht jeder.“

„Aber das interessiert doch niemanden, wer die Hohenzollernbrücke gebaut hat. Wenn ich Kinder hätte, dann wären sie jetzt bei mir.“ Er nickte traurig. „Sie würden sich an mich erinnern, wenn ich einmal tot bin. So wie ich mich an meinen Vater erinnere und Sie sich an Ihren.“

Endlich steckte ich die Zigarette an und nahm einige tiefe Züge. Dieses Gespräch, das war mir nun klar, würde bald beendet sein.

„Junger Mann, darf ich Sie was fragen? Gibt es etwas, das Sie schon immer einmal tun wollten?“

„Ich wollte immer lernen, Musiknoten zu lesen“, erklärte ich. „Sie auf einem Blatt geschrieben zu sehen und dadurch die Musik hören zu können, allein mit den Augen, meinem Wissen und meiner Vorstellungskraft. Das muss etwas Wunderbares sein. Aber dafür ist es nun wohl zu spät.“

„Es gibt Leute, die sagen, es sei nie zu spät.“

„Daran glaube ich nicht.“

„Ich auch nicht. Was ein Mensch tun kann in dieser seltsamen Welt, muss er zur rechten Zeit tun.“ Traurig, als glaubte er seinen eigenen Worten nicht, ließ er seine Blicke noch einmal entlang der Hohenzollernbrücke über den Rhein gleiten. „Was sind das für Baukräne da hinten auf der anderen Seite?“, wollte er wissen.

„Drüben auf der Deutzer Seite?“

„Ja genau. Was geschieht dort?“

„Das wird eine ganz große Nummer“, erklärte ich. „Sie nennen es ‚Messe-City‘. Dort entstehen Hotels, Gebäudekomplexe für ein großes Versicherungsunternehmen, Geschäfte, ein Kino, Restaurants und so weiter. Und dann geht es auf dem ehemaligen Gelände der Deutz AG in Mülheim weiter. Dort wird ein ganz neuer Stadtteil entstehen. Das ist ein Riesending für Köln.“

„Hm“, machte der Alte. „Ja, es geht wohl wirklich immer weiter.“

„Das Wasser im Rhein ist nicht unser Wasser“, sagte er schließlich, wobei er mit seinem rechten Arm einen bedächtigen Halbkreis entlang des Flusses von Norden nach Süden beschrieb. Dann stand er auf, legte seine linke Hand auf meine rechte Schulter, sah mir eindringlich in die Augen und gab mir diesen Abschiedsgruß: „Lernen Sie, Noten zu lesen, junger Mann. Tun Sie es einfach, und fangen Sie heute damit an!“

Ich widersprach ihm nicht, sondern nickte nur und sah ihm in die Augen. Er nickte freundlich zurück und machte dann auf dem Absatz kehrt. Als er sich entfernte, sah ich ihm nach und bedachte seine Worte. Dann widmete ich meine Aufmerksamkeit wieder dem Treiben um mich herum.

Was des einen Herbst, ist des anderen Frühling

Ein Junge in schwarzem Trainingsanzug mit „Deutschland“-Aufdruck in den Farben der Nationalflagge – vielleicht zehn Jahre alt – hatte seine Arme auf das Ufergeländer gelegt, darauf sein Kinn. Er blickte versonnen einem vorüberziehenden Lastenkahn nach: der „INA“, deren Ladung nicht zu erkennen war. Ein dunkelblauer Mittelklassewagen stand auf dem Heck.

Eine mediterrane Schönheit trat zu dem Jungen an das Geländer, zu jung, um seine Mutter zu sein. Die ältere Schwester vielleicht? Sie drückte ihm ein Smartphone in die Hand, schwang sich mit dem Gesäß auf das Geländer und rückte sich in Pose.

Der Junge ging einige Schritte zurück, nahm mit der Kamera Maß und fotografierte sie einige Male. Lachend sprang sie darauf zu Boden, umarmte und küsste den Jungen, nahm das Smartphone wieder an sich und prüfte die Aufnahmen.

Sie nahmen sich bei den Händen, gingen lachend an mir vorbei und rochen nach Lavendel.

Text & Foto: -bevi

 

 

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3 Kommentare

  1. Wundervolle Geschichte, Danke….

  2. Dem kann ich mich nur anschliessen. Geht tief und ist super geschrieben

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