Kölner Stadtschreiber

Streifzüge im Schatten des Doms

Der Junge mit dem Apple

SCHMÄHSCHRIFT. Ein tolles Bild, nicht wahr? Das Motiv ist schlicht – und doch voller menschlicher und politischer Aussagekraft. Es spricht Gefühl und Intellekt gleichermaßen an und ist handwerklich sehr gut ausgeführt. So etwas nenne ich Kunst. 

In Gedanken habe ich das Bild „Der Junge mit dem Apple“ genannt. Das Werk ist von dem Straßenkünstler NORT. Keine Ahnung, wie oft ich daran vorübergekommen bin. Aber jedes Mal habe ich kurz innegehalten und mich davon berühren lassen.

Bis Anfang März 2018 befand es sich auf einem Garagentor in der Kölner Südstadt, genauer gesagt an der Bonner Straße. Gut, dass ich es beizeiten fotografiert habe.

Denn inzwischen ist es einigen breitbeinigen Null-Checkern eingefallen, ein in jeder Hinsicht belangloses Monster-Tag auf die Gesamtfläche des Garagentors zu sprühen und so den Jungen mit dem Apple plattzumachen.

Ist mir egal, ob es sich dabei vielleicht um eine augenblicklich ziemlich angesagte urbane Sprayercrew handelt oder um weichhirnige Blödmannsgehilfen vom Dorf, die einen auf dicke Hose machen wollten.

Kölner Stadtschreiber NORT übersprüht

Wenn du genau hinschaust, entdeckst du unten rechts den Rest des Apple-Jungen

Vor der Ehre kommt der Respekt – Beides muss man sich verdienen

Ich liebe Streetart. Eine Stadt ohne Streetart ist ein Friedhof. Umso mehr finde ich solche Aktionen komplett scheiße und behaupte: Wer andere nicht respektiert, hat keinen Respekt vor sich selbst und deswegen auch keinen verdient.

Es reicht nicht, die Wände vollzuschmieren mit „Ich bin hier!“ und „Ich war da!“. Wer nicht mehr draufhat, soll die Aktivitäten seiner Griffel doch bitte aufs Nasebohren beschränken.

Sogar die Piraten hatten einen Ehrenkodex. Den vermisse ich in der Graffiti-Szene. Oder habe ich da einfach nur was verpasst?

Oldschool? Vintage? Retro? Von mir aus. So bin ich nun mal gestrickt. Sag was dagegen.

Text & Fotos: -bevi

 

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3 Kommentare

  1. …auch, wenn ich mich des öfteren ebenfalls darüber ärgere: den von dir beschriebenen ehrencodex gibt es bei street art nicht…drübermalen wird dort als wandel akzeptiert…eigentlich sind da graffiti künstler strenger, denn das neue bild sollte zumindest besser sein als das alte…da hier street art übermalt wurde, gelten in diesem fall deren massstäbe…

    • Hm, ich habe ja keinen Ehrenkodex beschrieben, sondern bedauert, dass es einen solchen nicht gibt. Du hast recht, wenn du sagst, dass es als Wandel akzeptiert wird – teilweise allerdings doch zähneknirschend. Und das bedeutet ja auch nicht, dass ich es gut finden muss. Was haben denn die Straßenkünstler davon, wenn sie sich gegenseitig ans Bein pinkeln? Das Garagentor ist schließlich groß genug, da wäre Platz für beide gewesen. Ich bleibe dabei: Es hat was mit Respekt zu tun.

  2. Darum geht s doch bei streetart: keine regeln!

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