REPORTAGE. Aktuell gehe ich den Kölnpfad zum zweiten Mal – diesmal in umgekehrter Richtung. Mit dabei, wie schon beim ersten Mal, ein guter Freund, weil: Alleine macht so etwas ja nur halb so viel Spaß.

Die letzte Tour begann allerdings einigermaßen freudlos. Von der S-Bahn-Haltestelle Worringen aus marschierten wir zunächst durch ein langweiliges Wohngebiet und dann auf bäuerlichen Wirtschaftswegen mit Autobahncharakter entlang der Bahntrasse Köln-Düsseldorf. Die dortigen Stadtteile heißen Tenhoven und Roggendorf und werden von Kölner Touristenführern höchstwahrscheinlich nur selten erwähnt.

Weit und breit nichts als Futtermais- und Zuckerrübenfelder.

„Beim ersten Mal hat es mir hier besser gefallen“, maulte der Freund. „Da war es nebelig, und man konnte nicht so weit gucken.“

„Da hinten sind Bäume“, sagte ich. „Da haben wir wenigstens Schatten.“

Unsere Laune sank mit jedem Schritt. Aber als wir dann endlich die Bäume erreicht hatten, tat sich eine andere Welt vor uns auf: Wir waren im Nüssenberger Busch.

Das ist der mit großem Abstand älteste Laubmischwald im linksrheinischen Köln, er befindet sich auf dem Gebiet zwischen Mengenich und Bocklemünd.

Der Nüssenberger Busch ist zwar ein ehemaliger Wirtschaftswald, aber kein Forst. Das bedeutet, er ist ursprünglich von selbst gewachsen und nicht von Menschen zur Holzernte angelegt worden. Diesen Unterschied kann ich jedes Mal, wenn ich einen Wald betrete, geradezu körperlich spüren: am Geruch, an der Bodenbeschaffenheit, an der „natürlichen Unordnung“ des Bewuchses.

Die Bäume im Nüssenberger Busch – zumeist Buchen und Eichen – sind alle mindestens 200 Jahre alt. Es gibt dort Biotope für Amphibien, verwilderte Streuobstwiesen, eine bemerkenswerte Bodenvegetation, eine zutiefst erfrischende Atemluft sowie einen kopfsteingepflasterten Weg, auf dessen Existenzberechtigung ich mir zunächst keinen Reim machen konnte.

Schon bald erreichten wir einen Ort, an den mein Freund und ich uns beide noch von unserer ersten Kölnpfad-Begehung gut erinnern konnten. Schon damals fanden wir die Atmosphäre dort „irgendwie magisch“, wussten aber nicht, woran das wohl liegen könnte. Ringsum von Moos überwucherte Steinhaufen, die aussehen wie die verwunschenen Überreste einer altgermanischen Tempelanlage. Wie zur Götteranbetung geschichtete Äste – fast schon wie in Stonehenge.

Die Wahrheit ist natürlich wesentlich unromantischer: Es handelt sich dabei um das Fort III des alten preußischen Festungsrings, das 1965 gesprengt wurde. Das Kopfsteinpflaster diente also den Soldaten zum Marschieren.

Übrigens ist das Zwischenwerk des Forts erhalten geblieben und wird aktuell von der Stadt Köln an Vereine und Schulklassen für Events vermietet.

Des Weiteren wird der Spot – meinen Recherchen zufolge – auch gern von jugendlichen Freestile-Bikern genutzt. Daher die Arrangements mit den Ästen.

Völlig fasziniert von der Ausstrahlung dieses Ortes lief ich herum und schoss gefühlt eintausend Fotos. Aber was machte mein Freund denn da? Sammelte Bucheckern vom Boden auf, knackte sie und aß ihre Kerne. Ich wusste gar nicht, dass man das darf!

Und nachdem ich selbst einige davon probiert hatte, wusste ich, dass ich das auch nicht will.

Als wir auf unserem weiteren Weg Richtung Westfriedhof den Wald verließen, kamen wir zum Nüssenberger Hof, einem alten römischen Gutshof, der sich in einem hervorragenden Zustand präsentierte. Leider gibt es dort keine Gastronomie, so dass wir auf die ersehnte Tasse Kaffee bei dieser Kölnpfad-Etappe verzichten mussten. Aber ich bin ziemlich sicher, dass ich mir bald mal ein Wochenende in einem der Apartments gönnen werde, die man dort mieten kann.

So war das also doch noch eine schöne Tour gewesen. Man soll eben den Tag nie vor dem Abend schelten.

Und immer in Bewegung bleiben!

 

LINKS

http://www.nuessenberger-hof.de/

https://www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/planen-bauen/grundstueck-immobilien/aussengelaende-waldschule-nuessenberger-busch

 

 

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