Kölner Stadtschreiber

Streifzüge im Schatten des Doms

Der Obelisk des Tutankhamun

KOMMENTAR. Seit Anfang Juli 2017 steht in der Mitte des Kreisverkehrs Breslauer Platz/Ecke Johannisstraße ‑ auf der Rückseite des Kölner Hauptbahnhofs also ‑ ein Obelisk, ein Kunstwerk, das von der Mehrzahl der hiesigen Bürgerinnen und Bürger konsequent nichtmals ignoriert wird.

Auch ich habe dieses diskussionswürdige Objekt erst zur Kenntnis genommen, seit ich jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit daran vorübergehen muss.

Das Werk ist zwischen sieben und neun Meter hoch ‑ je nachdem, ob man sich beim „Kölner Stadt-Anzeiger“, der „Süddeutschen Zeitung“ oder der „Rheinischen Post“ informiert ‑ und aus schwarzem Karbon gefertigt. Es wiegt 1,6 Tonnen, hat 100.00 Euro gekostet (plus 25.000 Euro für die Errichtung des Stellplatzes) und ist eine „Schenkung“ der zufälligerweise ebenfalls dort beheimateten Sparda-Bank an die Stadt Köln.

Schenkung in Anführungszeichen, weil die Ratsmitglieder sich nahezu drei Jahre Zeit ließen, bevor sie diese Zuwendung mit in den Taschen geballten Fäusten endlich annehmen konnten.

Die ausführende Künstlerin Rita McBride ließ auf die Frage nach der Botschaft des Obelisken verlautbaren, sie wolle damit „seine Umgebung einem organisierenden Prinzip unterwerfen“. Ein ziemlich guter Witz von beißender Ironie, sieht man sich die Umgebung einmal genauer an.

Der Breslauer Platz belegt in unserer an hässlichen Plätzen nicht armen Stadt ganz sicher einen der vorderen Ränge in puncto städtebaulichem Chaos. Hier zeigt sich die durch ungeklärte Zuständigkeiten in der Verwaltung weit verbreitete Laisser-faire-Haltung der Domstadt, wenn es um ihr eigenes Erscheinungsbild geht.

Urinverseuchte Unterführungen und vor Abfall starrende Parkgewölbe, eine an architektonischer Hybris kaum noch zu überbietende U-Bahnhaltestelle, der von den Einwohnern liebevoll „Müllsack“ genannte Musical Dome, eingerahmt von einem nach Dieselkraftstoff stinkenden Bus-Terminal, Wurstbude, Baucontainer und Fassadengerüste, vollgekackte Tiefgarageneinfahrten, zertretene Fahrräder und herumirrende Dropouts … „Guten Morgen, Bernd! Have a nice day!“

Jetzt mal ernsthaft: Dieser schmucklose, dunkle und seelenlose „Obelisk“ soll mir da eine Ordnung verschaffen? Es kommt mir eher so vor, als würde er mich noch zusätzlich veralbern wollen.

Am besten ignoriere auch ich ihn ab jetzt nichtmals mehr. Ist ja schon schlimm genug, dass ich zur Arbeit gehen muss.

Oder?

Text & Foto: -bevi

 

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5 Kommentare

  1. Peter Beringhoff

    10. September 2018 at 18:15

    Hallo mein lieber Stadtschreiber.
    Der Obelisk stellte im alten Ägypten wie die Pyramide die steingewordenen Strahlen des Sonnengottes dar und ist die Verbindung zwischen der hiesigen und der Götterwelt.
    Vielleicht will die Spardabank ja in Kontakt zum göttlichen Zins treten oder den Gott der Abzocke milde Stimmen?
    Beides doof.

  2. Hallo Bernd,ein klasse Bericht ! Normalerweise stehe ich nicht auf Schmierereien, aber für den Fall, daß die Sprayer-Szene ….. —, wie wäre es mit NASA, oder im Lande zu bleiben— ESA ?

  3. Hallo Bernd, da fällt mir noch viel mehr ein ! Da, wie du schreibst, dieses Kunstwerk aus Karbon besteht, könnte man es kippen, ein großes Loch reinbohren, Achsen,Räder und Motor dranmontieren und in der Formel 1 mitfahren und an selbiger Stelle ein ähnliches Gebilde aus recycelten Plastiktüten anbringen, welches die Umgebung auch eimem organisierten Prinzip unterwerfen würde : diese Säule mit den in alle vier Himmelsrichtungen angegossenen Becken, gerne auch in Karbonschwarz, wo die Strahlen zwar nicht vom Sonnengott kämen aber das Gebilde einen Sinn hätte und auch noch preiswerter wäre. Dann würden die Steuergelder für die Errichtung auch Sinn machen.

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