Kölner Stadtschreiber

Streifzüge im Schatten des Doms

Der Schniedelwutzmann

Gastbeitrag von Gisela Siebert

Anfang der 90er-Jahre arbeitete ich in einem bekannten Hotel am Heumarkt in einem der Restaurants.

Eines Nachmittags setzte sich ein Mann auf einen der Barhocker, und hing dort mehr, als dass er saß. Er hatte wohl schon reichlich „getankt“.

„Ein Bier“, lallte er mit stierem Blick. Meine Kollegin stellte ihm ein Kölsch hin, denn der Gast ist ja König … Dann stand er auf, hielt mir schwankend einen Schlüssel hin und sagte bedeutungsschwanger: „Du weißt schon, was ich meine.“

Ich antwortete: „Nein.“

Er drängelte weiter mit seinem blöden Schlüssel. Dann begann er an seinem Hosenstall zu fummeln, schaffte es, ihn zu öffnen, und holte doch tatsächlich seinen Schniedelwutz raus. Ich war schon einigen Kummer gewohnt mit unseren Gästen, sagte einfach gar nichts, ging ganz ruhig zum Telefon und rief unseren Security-Mann an. Der war binnen einer Minute da. Der Schniedelwutzmann bekam das gar nicht mit, und so packte ihn der Security-Mann am Schlafittchen und bugsierte ihn blitzschnell nach draußen, die große Treppe hinunter auf die Straße. Und das alles mit offenem Hosenstall …

Er tat mir schon fast leid, aber wir haben uns auch sehr darüber amüsiert.

Text: Gisela Siebert

 

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2 Kommentare

  1. Michael Waßerfuhr

    22. Februar 2019 at 16:08

    Oh Herr, lass mich niemals so besoffen sein.

    • Das ist – glaube ich – nicht nur ein Alkoholproblem … Du könntest besoffen sein bis kurz vor der Besinnungslosigkeit und würdest das trotzdem niemals tun.

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