HINTERGRUND. Siegfried, der Drachentöter. Vielen gilt er als der deutscheste Mythos überhaupt. In der Kölner Altstadt ‑ an der Ecke Salzgasse/Buttermarkt – finden wir eine Skulptur von ihm. Was macht er da eigentlich?

Wahrscheinlich denken die meisten Besucher der Kölner Altstadt: „Nee, ist das schön hier! So hat das also damals ausgesehen, als die Heinzelmännchen noch am Werk waren!“ Wer sich in der Stadtgeschichte auskennt, weiß jedoch: Fliegerbomben haben das Viertel um Dom und Groß St. Martin im Zweiten Weltkrieg in Schutt und Asche gelegt. Und die Kölner haben die Altstadt später – romantisierend nachempfunden – wieder aufgebaut.

Was jedoch auch vielen Kölner Bürgern nicht klar ist: Schon in den 1930er-Jahren ließ die nationalsozialistische Stadtverwaltung das historisch gewachsene Markt- und Hafenviertel abreißen, um es „von asozialen Elementen zu säubern“. Anschließend haben die Nazis das Veedel entsprechend ihren altdeutschen Klischeevorstellungen wieder hochgezogen.

An die Neubauten wurden kurzerhand folkloristische Fassaden mit frei erfundenen historischen Jahreszahlen angebracht. Und in die Wohnungen zogen „nützliche Mitglieder der arischen Volksgemeinschaft“.

Von diesem vermeintlichen „Sieg der Ordnung über die Anarchie“ sollte der Siegfried (siehe Foto) künden. Noch heute gemahnt er uns an der Ecke Salzgasse/Buttermarkt daran, dass die Rheinmetropole zu jener Zeit leider genauso braun war wie der Rest von Deutschland.

Zum Glück hat sich das geändert. Heute ist Köln auf der ganzen Welt bekannt und beliebt für die Offenheit, Toleranz und Lebensfreude seiner Bürgerinnen und Bürger. 

Das ist nicht selbstverständlich. Wenn wir den Drachen als Sinnbild verstehen für etwas Böses, das überwunden werden muss, wird der Siegfried in der Kölner Altstadt immer aktuell bleiben. Die Frage ist nur: Wer bestimmt, was gut und was böse ist?

 

Text & Foto: -bevi

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Tipp: Wie die Kölner Altstadt vor dem Eingriff der Nazis aussah, zeigen zum Beispiel Fotografien von Wilhelm Scheiner. Eine Auswahl hat das Kölnische Stadtmuseum im Rahmen der Ausstellung „Köln ungeschönt“ präsentiert.

Auch auf der Seite Bilderbuch Köln finden sich interessante Ansichten.

 

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