Kölner Stadtschreiber

Streifzüge im Schatten des Doms

Die Sperre

Karneval glücklich überlebt – und dann zurück ins Alltagsleben. Ein Snapshot von Michael Waßerfuhr.

Was ein Driss. Die Brille nass, tropfenverhangen, die Hose vom Regen durchgeweicht, falle ich in meinen Bürostuhl und werfe den Rechner an.

„Regnet‘s?“, schallt es von gegenüber.

Nein, ich schwitze eben schnell auf dem Fahrrad. – blöde Frage. Er weiß genau, dass es schüttet. Keine Angriffsfläche bieten: „Jup“.

Ich tippe das Passwort ein, stehe auf, hänge die Jacke auf, Fehlermeldung. Mist. Im Stehen unternehme ich lässig den zweiten Versuch. Das Passwort passt wieder nicht. Jetzt muss ich mich konzentrieren, setze mich. Ist die Hochstelltaste aktiviert? Nein. Also noch mal. Zack, gesperrt.

„Scheiße! Verdammt“, fluche ich.

„Was?“

„Das Passwort. Er hat es nicht genommen. Ich bin gesperrt.“

„Bist du sicher, dass du hier noch angestellt bist? Der Chef stand eben auch schon im Raum und hat dich gesucht. Sagte was von „Waßerfuhr“ und „Kündigung“.

Netter Versuch, mich etwas zu necken. So ist das im Büro. Wenn du am Boden liegst, wird nachgetreten. Willkommen Alltag.

Ich antworte: „Lieber Lennart, Entlassungen habe ich hier auch schon mitgemacht. Glaub mir. Dann wäre mein Chip für die Tür gesperrt und man hätte mich höchstens unter Aufsicht an meinen Platz gelassen, um persönliche Sachen abzuholen. Netter Versuch, aber du musst noch üben.“ – Arsch.

Es folgen tatsächlich Nachfragen, wie das so ist, wenn man entlassen wird.

„Ja“, sage ich „in bösen Fällen fährst du auf Kosten der Firma in die Zentrale und auf eigene Kosten zurück. In normalen Fällen zitiert dich der Dienststellenleiter ins Büro. Ich kenne hier beide Varianten. Aber ehrlich nur, wenn du echt was angestellt hast. Aber ich muss jetzt zum Teamleiter. Mich freischalten lassen.“

Ein Kaffee richtet ja sogar das Gefühl, wenn man morgens in durchnässter Hose vorm Chef steht und ihn bittet, ein neues Passwort anzufordern. Wir arbeiten den Tag vor uns hin.

Gegen Mittag steht Lennart auf einmal auf, wird etwas bleich um die Nase und sagt ins Mikrofon seines Headsets: „Änderung? Im Arbeitsvertrag?! Ja, Frau Schulte, ich komme.“

Mein breites Grinsen und hämisches Winken hätte er sich ersparen können.

(Keine Bange, er gibt sich weiterhin Mühe, meinen Kreislauf morgens in Schwung zu bringen.)

Text & Foto: Michael Waßerfuhr

 

 

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2 Kommentare

  1. Ja so WAR das im Büro. Kenne ich zu gut.

  2. Ludwig Kellings

    24. März 2019 at 12:49

    Cool geschrieben, genau sowas kenne ich auch. Was wären die Bürojobs ohne diese Frotzeleien. Ein bisschen wie eine Suppe mit zu wenig Salz.

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