Kölner Stadtschreiber

Streifzüge im Schatten des Doms

Ein Hoch auf die Kölner Müllabfuhr!

Sie sind wahre Helden des Alltags. Neben Feuerwehrleuten, Rettungssanitätern und Bäckereifachverkäuferinnen gehören sie zu den Mitmenschen, deren Tätigkeit ich am meisten wertschätze. Hier kommt das längst überfällige Loblied auf die Jungs von der Müllabfuhr!

Bei uns in Köln gibt es in der Verwaltung des öffentlichen Lebens weißgott zig Gründe, sich über Inkompetenz, Schludrigkeit, Schwachsinn und Klüngel aufzuregen. Ein Ressort jedoch sticht aus dem Sumpf, an den wir uns alle gewöhnen mussten, seit Langem auf das Angenehmste hervor. Die Kölner Abfallwirtschaftsbetriebe sind die besten der Welt.

Und zwar mit Abstand!

Woher das kommt? Natürlich vom Karneval.

Schon damals, als ich noch gar nicht in Köln lebte – und inzwischen lebe ich seit über 30 Jahren hier ‑, waren die Jungs von der Müllabfuhr meine Lieblingsabteilung bei jedem Rosenmontagszug, für den ich aus dem Sauerland hergekommen war.

Wie sie mit ihren Monsterbesen aus Stahl und den motorisierten Ameisen hinter dem Zug her kehrten und dafür sorgten, dass der ganze Müll wieder von den Straßen verschwand, war für mich jedes Mal der Höhepunkt des närrischen Treibens.

Danach sah es immer so aus, als wäre gar nichts passiert. Und da wusste ich: Wer das schafft, schafft alles.

Was wäre Köln – eine Stadt, in der seit Römerzeiten jeder alles zu Boden fallen lässt, das er nicht mehr braucht – ohne seine Kehrmännchen?

Wie würden die wundervollen Parks, in denen wir die Grillverbote ignorieren und einfach alles liegen lassen, das wir nicht mehr gebrauchen können, sowie die Straßen unserer Veedel bald aussehen ohne die fleißigen Feger in den rot-weiß gestreiften Jacken?

Du kannst die Uhr nach ihnen stellen. Wenn ich morgens meinen Kaffee trinke und höre, dass unten in der Straße die Restmülltonnen geleert werden, weiß ich: Aha, Donnerstag, halb acht.

Dabei sind die Jungs immer gut gelaunt und machen ihre Witze. Na gut: Oft genug sind das blöde Macho-Witze. Aber was willst du von Männern erwarten, die in einer Branche tätig sind, die von Frauen hartnäckig gemieden wird? Außerdem – sehr löblich! – werden sie niemals unverschämt. Bei der Geschwindigkeit, mit der sie arbeiten, haben sie ja auch gar keine Zeit für romantische Verfeinerungen.

Hast du mal an einer Besichtigung der Kölner Restmüllverbrennungsanlage teilgenommen? Spitzentechnologie! Dort wird alles ausschließlich mit Sauerstoff verbrannt, und die Luft, die oben aus dem Schornstein kommt, ist besser als die, die du in der Innenstadt einzuatmen gezwungen bist. Kannst du beim Umweltministerium in D’dorf nachfragen: Die messen das unablässig mit einer Direktverbindung.

Und wo sonst auf der Welt tragen die Hallen der städtischen Recyclinganlage noch so wunderbare Namen wie „Nathalie“ und „Sebastian“?

Kölner Stadtschreiber Die Recyclinghallen Nathalie und Sebastian im Kölner Süden

Da kann ich nur sagen: „Kölner Müllabfuhr, alaaf!“

Text & Fotos: -bevi

Hier geht es zur kölschen Version.
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3 Kommentare

  1. Wirklich sehr schön und zudem noch informativ. Zum Beispiel das mit der sauberen Luft über der Verbrennungsanlage hab ich nicht gewusst. Der Text sollte mal irgendwo veröffentlicht werden, wo die Mitarbeiter der Abfallwirtschaftsbetriebe ihn auch lesen können und auch die, die sich über deren Arbeit bisher noch nicht so viele Gedanken gemacht haben oder sie als Selbstverständlichkeit hingenommen haben.

    • Bernd Vielhaber

      7. November 2018 at 22:39

      Ja, wir alle halten das für selbstverständlich. Anfang der 90er-Jahre haben die Jungs von der Müllabfuhr mal gestreikt, mitten im Sommer. Es war die Hölle!

      • Gisela Siebert

        10. November 2018 at 0:03

        Daran kann ich mich gut erinnern. Ich arbeitete in einem großen Hotel mit mehreren Restaurants und vielen Veranstaltungen. Der ganze Müll wurde in der Nähe des Personaleingangs gelagert. Leute ich sag euch: Das war ein Gestank den man nie vergisst! Und deinen Text sollten die Jungs von den AWB wirklich zu lesen bekommen. Darüber würden sie sich bestimmt freuen.

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