Inzwischen bin ich ja in dem Alter angekommen, in dem dir im Restaurant unaufgefordert die Karte mit den Seniorentellern vorgelegt wird. Da ist man irgendwann von ganz allein nicht mehr so wählerisch. Trotzdem hat man noch seinen Stolz!

Stehe ich neulich mal wieder beim Aldi vor dem Regal mit den Backwaren und denke: Mal wieder’n lecker Kuchen essen, oder?

Aber typisch: Meine Brille liegt tief unten im Rucksack, schön verpackt im stoßfesten Etui. Die brauche ich ja auch nur zum Lesen. Ansonsten sind meine Augen noch voll okay!

Glück gehabt: Da kommt gerade ein junger Mann (so um die vierzig Jahre alt, schätze ich) und stellt sich neben mich. Erleichtert spreche ich ihn an.

„Junger Mann, was genau steht denn da auf dem Schild? Sind das hier ‚Kleine Feinkuchen‘ oder ‚Feine Kleinkuchen‘?“

Da guckt der mich an, als ob ich ihm eine Ohrfeige verpasst hätte, und entfernt sich kopfschüttelnd wieder. Was man sich als hilfloser alter Mensch heutzutage alles gefallen lassen muss!

Ist ja auch egal, die sehen lecker aus. Warum kaufe ich mir nicht gleich mehrere davon? Dann habe ich in den nächsten Tagen was zum Naschen. Aber was haben die denn für ein Mindesthaltbarkeitsdatum? Jetzt versuch mal, diese kleinen Zahlen zu lesen: Offenbar wollen die gar nicht, dass man das entziffern kann. Selbst mit Brille nicht und sogar wenn die Augen eigentlich noch voll okay sind!

Wieder Glück gehabt: Da stellt sich eine junge Frau neben mich (wirklich jung, höchstens dreißig) und fängt an, Waren aus dem Regal zu ziehen. Zwar scheut ein gebadetes Kind das Wasser, aber was soll ich tun?

„Junge Frau“, beginne ich also. „Können Sie mir sagen, wie lange diese Kleinen Feinkuchen noch haltbar sind?“ Dabei versuche ich so zu lächeln wie Robert Redford in „Jenseits von Afrika“, als er Meryl Streep zum Picknick in der Wüste einlädt.

Sie lächelt zurück und antwortet: „Da steht ‚Feine Kleinkuchen‘ und nicht ‚Kleine Feinkuchen‘.“ Dann tippt sie mit dem Finger auf die Verpackung und liest mir das Mindesthaltbarkeitsdatum vor. „Also ich würde die ja nicht kaufen“, fügt sie hinzu. „Da ist Palmfett drin. Solche Produkte sollte man boykottieren.“

„Ja“, stammle ich, denn das kommt mir irgendwie bekannt vor. „Wegen des Regenwaldes, oder?“

Sie nickt gütig, wünscht mir noch einen schönen Tag und schiebt dann ihren Einkaufswagen weiter. Das war’s also mit den Feinen Kleinkuchen oder den Kleinen Feinkuchen.

Habe mir dann an der Kasse ein „Mars“ gekauft, weil ich so langsam echt was für meinen süßen Zahn brauchte, und dabei weder auf das Mindesthaltbarkeitsdatum noch auf die Zutaten geachtet. Aber die Schokoriegel sind ja heutzutage auch nicht mehr das, was sie mal waren: nur noch halb so groß wie damals in den 60ern, als ich mein erstes „Mars“ verputzt habe. Dafür doppelt so teuer wie früher.

Früher, als noch mehr Lametta und nicht so viel Palmfett war.

 

Text: -bevi, Foto: Wikimedia Commons

 

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