Ein Spiel mit Worten (Text: Aidu K.)

Ich liebe das Spiel mit Worten. In Hartz steckt das Wort „zart“. An Hartz IV ist nichts zart. Das System ist eher grob, mitleidlos gegenüber Kunden und Mitarbeitern. Eine Mangelverwaltung, in der Zahlen zählen, es an Zeit für die wirklichen Aufgaben fehlt und die Kunden – angesichts der Zustände eine euphemistische Bezeichnung – mehr mit ihrem Mangel beschäftigt sind, als mit dem, was sie können. Denn das, was sie können, zählt nur, wenn sie damit eine Arbeit finden, die sie aus dem Leistungsbezug bringt.

In Hartz steckt auch das Wort „Art“. Kunst hat hier eigentlich nicht viel verloren. Denn es ist keine Kunst, Arbeitslosenzahlen zu senken, wenn Kranke, Menschen in irgendwelchen Maßnahmen, Minijobber, die für ihre 450 Euro mehr als 15 Stunden pro Woche arbeiten müssen, und Menschen über 58, wenn man ihnen länger als ein Jahr kein Jobangebot gemacht hat, aus der Statistik fallen.

Und die Künstler sollen halt was Ordentliches machen.

Keine Kunst und keine Art

Die Mutter von vier Kindern, die schlecht deutsch spricht, muss eben 40 Stunden in der Woche putzen. Sie bleibt dann zwar weiter im Leistungsbezug, aber man redet noch über sie, weil sie sich nicht genug um ihre Kinder kümmert.

Vollzeit arbeiten müssen auch die Mütter von Kindern über drei Jahren. Wofür gibt es denn einen Anspruch auf Vollzeitbetreuung?

Es ist eigentlich keine Kunst zu erkennen, dass durch den Wandel auf dem Arbeitsmarkt viele Arbeitsplätze wegfallen, einst sichere Arbeitsplätze schon morgen verschwinden können und überall, besonders in sozialen Bereichen, gespart wird. Für einen lächerlichen Mindestlohn von 8,50 Euro musste lange gekämpft werden. Die Arbeitsstellen werden dann letztendlich durch den Staat über Sozialleistungen subventioniert. Eine Kunst ist das nicht, aber auch keine Art.

Qualifizieren, bis der Arzt kommt

Auch das Wort „hart“ steckt in Hartz. Hart für die Mitarbeiter, auch wenn manche es nicht merken, weil es nur der Panzer um ihr Herz ist, der härter wird. Man darf nicht fühlen was geschieht, sonst bleibt man nicht lange gesund.

Die Distanz zu den Kunden vergrößern, damit man nicht mehr spürt, dass man selbst nur 15 Monate von ihnen entfernt ist. Lieber gebetsmühlenartig daran festhalten, dass jeder, der will, auch Arbeit bekommt, man nur gut qualifiziert werden muss. Und wer dann noch keine Arbeit findet, hat irgendetwas falsch gemacht. Im Zweifel hat er sich ins falsche Land oder in die falsche Familie gebären lassen.

Auch die Kunden können hart werden. Bei den Extravertierten liest man dann davon in der Presse. Die Introvertierten neigen schon mal dazu, hart gegen sich selbst zu werden. In eine Maßnahme gehen, bevor ihnen eine aufgedrückt wird. Qualifizierungen durchstehen ‑ auch wenn sie krank machen und das Kind zu viel Zeit alleine ist.

Durchhalten, kämpfen, sich zwingen, um sich endlich wieder frei zu fühlen. Und am Ende zu krank, um wieder frei zu sein. „Arzt“ steckt schließlich auch in Hartz.

(K)Ein Ausweg in Sicht?

Ich will Stopp rufen. Doch ich stehe schon längst. Nur meine Gedanken rennen noch immer im Kreis und hoffen, einen Ausweg zu finden.

Jetzt bilde ich lieber Worte aus „Grundeinkommen“:

Komm – gern – du – Grund,
im – runden – Mond
und – gib – mir – deinen – Mund.
Bedingungslos

 

April 2018

Foto: -bevi

 

 

 

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