Komme ich gerade eben an der Bäckerei hier bei uns um die Ecke vorbei und sehe, wie die Verkäuferin die Regale abräumt. Ein Blick auf die Uhr: gleich halb sieben. Alles klar, ich da rein.

Das stört natürlich, so kurz vor Ladenschluss. Soeben packt sie sich ein Backblech, auf dem Stücke unterschiedlichster Kuchensorten sorgsam aneinandergereiht liegen, und will es nach hinten verfrachten. Weil sie aber aus beruflichen Gründen zur Freundlichkeit angehalten ist, hält sie inne, schaut mich mit gerunzelter Stirn an und nickt einen Gruß.

Ich setze mein verbindlichstes Lächeln auf und fange an:
„Sind das die Stücke, die Sie morgen als Kuchen von gestern zum halben Preis verkaufen werden?“

„Äh … jaaaa.“ Ein „Ja“, das langsam von unten nach oben eine ganze Oktav durchmisst.

„Wie wär’s?“, fahre ich mit samtener Stimme fort. „Ich kaufe Ihnen schon heute zwei davon zum Preis von morgen ab. Dann müssen Sie sie nicht erst nach hinten tragen.“

Da glättet sich ihre Stirn und ihre Augen nehmen ein heiteres Funkeln an. Die Damen sind ja der freundlichen Spielart von Frechheit im Allgemeinen durchaus zugeneigt. So ist es auch diesmal. Sie setzt das Blech ab und fragt, was es denn sein soll.

Als sie meine Bestellung einpackt, bemerke ich, dass sich eine leichte Wolke auf ihre Miene legt. Wahrscheinlich denkt sie gerade: Nicht, dass der freche Kerl nun jeden Abend kurz vor halb sieben hier reinschneit!

„Ausnahmsweise!“, sage ich schnell, diesmal mit dem ernstesten Lächeln, das ich so eilig hinbekomme. Man soll ja nichts übertreiben, die Frechheit schon mal gar nicht.

„Das will ich auch hoffen!“, fügen ihre Augen hinzu.

Dankbar wünsche ich ihr einen schönen Feierabend.

Ab sofort komme ich selbstverständlich immer erst morgen, wenn ich Kuchen von heute haben will!

Text & Foto: -bevi

 

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