Kölner Stadtschreiber

Streifzüge im Schatten des Doms

Hirn an und Motor aus – nicht umgekehrt

Ausgerechnet im hippen, gentrifizierten Köln entdecke ich diesen unsäglichen Trend zuerst. Da, wo eine unsanierte 50-Quadratmeter-Wohnung mittlerweile für 700 Euro kalt noch Abnehmer findet und sich vegane Biocafés aneinanderreihen, wird nicht mehr geparkt. Man wartet lieber im Auto. Mit laufendem Motor. Ein Rückfall in die Steinzeit des Umweltschutzes.

Kommentar von Sharon Beatty

Überall stehen sie im Veedel. Der Wagen läuft, aber er fährt nicht. Heizung gilt nicht – es sind draußen 20 Grad. Aber kann man sie nicht lassen? Köln ist schließlich die Stadt der Toleranz. Kann man nicht. Denn die Toleranz macht Köln in vielerlei Hinsicht zur Stadt der Unarten. Und Umweltschutz geht uns alle an.

Es kann doch nicht sein, dass wir wieder in den 70ern ansetzen müssen mit unseren zaghaften Ansätzen zum Klimawandel. Als ich klein war, da ging es in der Presse um sauren Regen, um Waldsterben, das sogar in Frankreich so hieß, und die Energiekrise, die nicht mehr vorkommen durfte. Es ging auch um Fahrgemeinschaften und autofreie Sonntage. Und heute?

Köln – die autoverliebte Stadt

Heute sammelt eine Bürgerinitiative in Köln-Ehrenfeld, bislang vergebens, Unterschriften für einen autofreien Sonntag auf der Venloer Straße zwischen Moschee und Gürtel. Ein einziger Kilometer – schon zu viel für die autoverliebte Stadt. An den Ampeln am Gürtel reihen sich die Autos. Mehrere Menschen sitzen aber in den wenigsten.

Das will mir nicht in den Kopf. Die Not der Autofahrer ist doch eigentlich groß genug in Köln. Nicht nur, weil man in dieser Stadt nirgendwo links abbiegen kann.

Sondern auch, weil es schon lange zu viele Autos für zu wenig Straße gibt. Pro 1000 Einwohner gibt es 427 Pkw, sagt das statistische Jahrbuch der Stadt – im Jahr 2000 waren es noch 407. Durchschnittlich stehen wir in der Innenstadt jährlich 71 Stunden im Stau – sechs Stunden mehr als 2014.

Was da in die Luft geht, kann man sich ausmalen. Da hilft irgendwann auch kein Grüngürtel mehr.

Immerhin das hat auch die Stadt schon erkannt. Sie stellt immer mehr e-Busse und  Leihfahrräder auf – selbst Greenpeace ist begeistert von so viel gutem Willen. Wäre ich auch, wenn es endlich mal vernünftige Radwege geben würde, auf denen man diese Räder benutzen könnte.

Dazu kommt aber noch ein anderer Punkt: Fahrräder betreiben (bislang noch) keine Fotosynthese, die den Abgasen entgegenwirkt. Mehr Fahrräder halten die Luft nicht sauberer. Das können nur verantwortungsvolle Kölner schaffen.

2. Juli 2017

Sharon Beatty ist Pressesprecherin der Kreisverwaltung Ahrweiler und lebt in Köln.

 

 

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1 Kommentar

  1. Hallo liebe Sharon, wißt Ihr wie es genannt wird, wenn Vollidioten am Wochenende mit ihren tiefergelegten Kisten die Ringe hoch- und runterheizen ? „Profilierungsfahrt“— schönen Tag noch

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