Wer Bettler ist, ist doch selbst schuld – oder?

Du kennst sie alle, genau wie ich.

Die an ihren üblichen Ecken stehen, wie Bewegungsmelder in den Hauseingängen beim Überschreiten einer gewissen räumlichen Nähe angehen und sofort den auswendig gelernten Spruch herunterleiern.

Die zwischen Chlodwigplatz und Ebertplatz durch die Ringbahnen schlurfen und im Schnitt pro Waggon mit 50 Cent rechnen können – egal, was sie erzählen.
Die Durchgeknallten. Die plötzlich dort sind, wo du auf keinen Fall mit ihnen gerechnet hättest, und dich so unverschämt anquatschen, dass du ihnen am liebsten eine reinhauen würdest.

Und die, die von Verbrecherorganisationen unter Androhung körperlicher Gewalt dazu gezwungen werden, im Schatten des Domes das Leiden Christi zu spielen.

Wie ist es, immer Angst zu haben?

Wie riecht es in den Notunterkünften der Obdachlosen?

Wie fühlt es sich an, auf dem Steinboden unter der Hohenzollernbrücke zu schlafen?

Was geht vor in der Seele eines Menschen, der von morgens früh bis abends spät mit hängendem Kopf und starr zu Boden gerichtetem Blick vor dem Eingang eines Supermarktes auf dem Boden hockt?

All unsere Bettlerinnen und Bettler – solche und solche. Was fühlen sie?

Jede von ihnen und ein jeder von ihnen hat ihre oder seine eigene Geschichte.

Sie alle sind Söhne und Töchter von Vätern und Müttern.

Sie alle träumen einen Traum.

Haben sie unseren Respekt?

Wollen sie unseren Respekt?

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