Kölner Stadtschreiber

Streifzüge im Schatten des Doms

KVB = Komme Vielleicht Bald

An einem schönen Sonntagnachmittag wollte ich „mal eben“ vom Südfriedhof in Zollstock zu einer Verabredung mit meinem Freund Hermann am Ebertplatz. Das ist eigentlich kein Problem, da setzt man sich in die Linie 12 und fährt in einem Rutsch durch – 25 Minuten später ist man da. Aber da hatte ich mal wieder meine Rechnung ohne die KVB gemacht.

Am Südfriedhof war keine Straßenbahn zu sehen, stattdessen verkündete die Laufschrift einer Info-Textzeile, dass es einen Oberleitungsschaden im Bereich Höninger Weg gebe und die Linie 12 daher nicht fahre. Aber da stand ja an der Bushaltestelle schon der Schienenersatzverkehr bereit: Motor aus, Türen auf, der Busfahrer steht vor dem Kiosk und unterhält sich mit dem Büdchenchef.

Weil ich meine Pappenheimer aber kenne, schreite ich dennoch zügig aus. Und richtig: Der Busfahrer sieht mich kommen, besteigt den Bus, wirft eilig den Motor an, schließt die Türen und fährt an. Ich schaffe s gerade noch, mit der flachen Hand auf die Fensterscheibe zu schlagen, aber es ist ein kraftloser Hieb. Da bremst der gute Mann, steigt aus und herrscht mich an:

„Sie brauchen aber nicht zu schlagen!“

Ich antworte. „Wenn ich’s nicht getan hätte, wären Sie jetzt weg und ich stünde doof hier rum.“

Keine Ahnung. Ja, trotzdem!

Mit einem „Ja, trotzdem!“ steigt er ein, und ich tue es ihm gleich. Während der Fahrt entlang der Linienstrecke füllt sich der Bus mit irritierten Fahrgästen, und ich denke über die Bedeutung des „Ja, trotzdem!“ nach, kann aber keine finden. Die Fragen der Fahrgäste beantwortet der Fahrer stets und geduldig mit „Keine Ahnung. Ich weiß wirklich auch nichts.“

An der Haltestelle „Pohligstraße“ steht dann eine leere Bahn der Linie 12 vor der Ampelkreuzung und blockiert die Fahrspur, wir bleiben also stehen, gefühlte fünf Minuten. Die Leute werden unruhig. „Was ist denn jetzt? Wie geht es weiter?“ Da fährt die Bahn plötzlich an, ruckelt etwa 20 Meter nach vorn und bleibt wieder stehen. Prima, das reicht: Nun kommt der gesamte Verkehr um die Kreuzung zum Erliegen. Etliche Autofahrer nutzen die Gelegenheit, um die Funktionstüchtigkeit ihrer Hupen zu überprüfen.

Dann, wiederum nach gefühlten fünf Minuten, geht es endlich weiter, erst langsam, dann normal. Wir atmen auf, die Störung scheint behoben. An der Haltestelle „Eifelplatz“ hält die Bahn und unser Fahrer macht die Durchsage, dass wir nun umsteigen könnten. Alles steigt aus, wir gehen zur Bahn, und als wir sie erreichen, fährt sie los, vollkommen leer.

In aller Ruhe umsteigen

Das bringt nun einen enttäuschten Fahrgast dazu, uns mit seiner Hitliste von Schimpfworten aus dem Fäkal- und Sexualbereich vertraut zu machen, leider werde ich mir keines davon merken können.

Der fassungslose Busfahrer erbittet unterdessen neue Anweisungen von der Leitstelle, die ihn offenbar autorisiert, uns weiter zur nächsten Haltestelle am Sachsenring zu bringen. Super, da fahren ja auch noch andere Bahnen: die 15 und die 16, beide zum Ebertplatz. Wir steigen wieder ein und sind alsbald bei der Nothaltestelle „Eifelstraße“, wo wir sehen, dass eine Bahn der Linie 12, vom Ubierring kommend, in die Station einfährt: Bahn- und Busfahrer winken einander zu, wie Kollegen das halt so machen. Und wir freuen uns: Prima, da steigen wir doch gleich um, und dann geht’s direkt weiter! Der hat ja gesehen, dass wir kommen!

Wir eilen über die Ampel, erreichen die letzte Tür des Zuges – und der fährt los, vollkommen leer. Wir erfahren nun, dass der enttäuschte Fahrgast von eben noch viel mehr wirklich außergewöhnliche Schimpfworte kennt und auch vor ethnischen Themenbereichen nicht zurückschreckt.

Während ich nun, unbehelligt von der KVB, in aller Ruhe eine Zigarette drehen und rauchen kann, denke ich über die Frage nach, was ich wohl daraus lernen könnte – und wieder fällt mir einfach nichts ein.

Irgendwie habe ich es dann doch noch zum Ebertplatz geschafft, aber viel zu spät für meine Verabredung. Von Hermann ist weit und breit nichts zu sehen. Tja, denke ich, das kommt davon, dass ich als einziger Mensch auf der Welt kein Handy habe. Aber da kommt er ja um die Ecke gelaufen.

„Tut mir leid“, ruft er, „dass ich zu spät komme! Aber es ist wirklich nicht meine Schuld. Du wirst es mir nicht glauben!“

„Bist du mit der Bahn hier?“

„Ja!“

„Dann“, sage ich, „bin ich bereit, dir alles zu glauben.“

Text & Fotos: -bevi

Kölner Stadtschreiber Die Gesetze der KVB

 

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1 Kommentar

  1. Die reine Wahrheit, nichts als die Wahrheit!

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