PORTRÄT. In der Kölner Südstadt, genauer gesagt an der Marktstraße, gibt es ein „Lilli-Jahn-Haus“. Es ist eine Unterkunft für Studierende und Auszubildende in der Trägerschaft der GBI AG, die das Ganze „SMARTments student“ nennt. Eine Gesellschafterin der GBI ist die Moses Mendelssohn Stiftung – und die möchte, dass jedes „SMARTment“ den Namen einer jüdischen Persönlichkeit aus der jeweiligen Stadt trägt. Wer war also Lilli Jahn?

In der hiesigen Bismarckstraße, Hausnummer 29, gibt es einen Stolperstein. Darauf steht: „Hier wohnte Lilli Jahn, geb. Schlüchterer, JG 1900, verhaftet 1943, Lager Breitenau, deportiert 1944, ermordet in Auschwitz.“

Auf dem jüdischen Friedhof in Bocklemünd kannst du ihr Grab besuchen.

Sie wurde 44 Jahre alt.

Lilli wurde am 5. März 1900 in Köln geboren und hatte den Ruf, ein lebensfrohes und zupackendes Kind zu sein. Sie absolvierte ein Medizinstudium, das sie im Jahr 1924 mit einer Promotion abschloss. Zwei Jahre später verliebte sie sich in Ernst Jahn. Sie heirateten und zogen nach Immenhausen, wo sie gemeinsam eine Arztpraxis betrieben und fünf Kinder zur Welt brachten

Und dann kamen die sogenannten Nationalsozialisten. Weil sie mit einem Mann evangelischen Glaubens verheiratet war, wurde sie zuerst in der Kategorie „Mischehe“ verschont. Doch dann zog sich die Schlinge immer weiter zu.

Der Rest steht auf dem Stolperstein.

Der Enkel Martin Doerry veröffentlichte 2002 Briefe, Bilder und andere Lebenszeugnisse in dem Buch „Mein verwundetes Herz“.

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