Weil mein Freund Ansgar in Stolberg wohnt, sehen wir uns nur sehr selten. Das ist schade, denn so gute Freunde wie wir wollen eigentlich öfter beisammen sein. Vor einiger Zeit hatten wir uns zu einem Treffen – sozusagen auf halber Strecke zwischen Stolberg und Köln – in Langerwehe verabredet. Warum das in die Hose gegangen ist, hat Ansgar in seinem wunderbaren Beitrag „Mein Nicht-Treffen mit Bernd“ ausführlich geschildert.

Letztens haben wir das dann nachgeholt, unser Treffen in Langerwehe. Hier nun einige Impressionen aus einem Örtchen in der Voreifel, von dem ich die meiste Zeit meines Lebens gar nicht wusste, dass es das überhaupt gibt.

Der Bahnhof von Langerwehe besticht durch redundanzlose Funktionalität. Es gibt vier Gleise: Auf einem kommst du an, auf dem zweiten fährst du wieder weg – und die beiden in der Mitte sind für die Züge, die hier gar nicht halten, sondern mit unverminderter Geschwindigkeit weitereilen.

Kölner Stadtschreiber Langerwehe Gleise am Bahnhof

 

Hier trafen wir uns also endlich. Zwar hatte Ansgars Zug wegen eines technischen Defekts Verspätung, was ich aber dadurch ausgleichen konnte, dass ich eine Stunde früher losgefahren war und wegen mehrerer Halte auf offener Strecke wegen Bauarbeiten auch viel später als erhofft, aber immerhin fast zeitgleich mit meinem Freund in Langerwehe eintraf.

Wir schlenderten durch den Ort und erzählten einander, wie es uns geht. Es ist schön, die Nähe eines Freundes zu spüren.

 

Kölner Stadtschreiber Kreuzung Jakobsweg

An diesem Ort ‑ wo eine Skulptur, die den Apostel Jakob d. Ä. darstellen soll, und der die Kreuzung zweier historischer Pilgerpfade markiert – haben wir gelernt, wie die Jakobsmuschel zu ihrem Namen kam.

Wo heute die Sitzbänke rund um den „Töpferbrunnen“ von Langerwehe zur beschaulichen Rast mit Frikadellen aus der gegenüberliegenden Fleischerei einladen, befand sich zur Franzosen- und auch noch anfangs der Preußenzeit die hiesige Grundschule.

Allerdings wird auf dem dort angebrachten Infoschild eingeräumt, dass diese nur wenig Zulauf seitens der auf den Feldern beschäftigten Kinder erhielt. Eine neue Schule an anderer Stelle sowie die Einführung der allgemeinen Schulpflicht habe zur Verbesserung der Lage beigetragen.

Kölner Stadtschreiber Alte Kirche in Langerwehe

Die alte Kirche des Städtchens (oben) und die 1906 erbaute „neue“ Kirche. Trutzburg die eine – beinahe eine Kathedrale die andere.

Die Trutzburg war verschlossen, bot aber auf ihrem Rundweg einen großartigen Weitblick auf die Landschaft.

Kölner Stadtschreiber Neue Kirche Sankt Martin in Langerwehe

Das Dömchen unten im Ort an der Hauptstraße war geöffnet. Also gingen wir hinein.

Leider habe ich es vor lauter Staunen über die sich dargebotenen Eindrücke versäumt, Fotos zu machen. Mein lieber Ansgar, ich fürchte, wir müssen noch einmal nach Langerwehe.

An einer Wand in der Bahnhofsunterführung gab es übrigens noch eine andere Impression:

Kölner Stadtschreiber Stencil in Langerwehe am Bahnhof

 

Vielleicht ist Langerwehe ein Ort, den du gern besuchst, in dem sich aber nicht alle immer wohlfühlen.

Es war wirklich schön, meinen lieben alten Freund endlich einmal wiederzusehen. Der Gedankenaustausch mit ihm hat mir gut getan.

Es ist ein großer Unterschied, ob du mit einem emailst, whatsappst, messengerst oder telefonierst – oder ob du mit ihm, wo auch immer auf dieser schöner Erde (von mir aus auch in Langerwehe), in echt zusammen bist. „In echt“ bedeutet: Du siehst ihn, du hörst ihn, und wenn du ihm auf die Schulter klopfst, dann fühlst du ihn.

Und wenn er dir aus der gegenüberliegenden Fleischerei eine Frikadelle mitbringt, dann beißt du rein und tust so, als ob sie dir schmecken würde!

Ansgar, danke für diese tolle Erinnerung!

Text & Fotos: -bevi

 

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