Bei uns im Haus wohnt seit Neuestem – also gerade mal seit zwei Jahren – eine junge Familie. Frau, Mann, Tochter. Die Kleine ist etwa fünf Jahre alt.

Als ich heute Nachmittag meine Wohnung verlasse, kommt sie, erschöpft vom Spielen, die Treppe herauf.

„Na?“, sage ich.

„Wie: Na?“, antwortet sie, bleibt stehen und sieht mich an.

„Ich bitte um Verzeihung. Wenn ein Sauerländer wie ich ‚Na?‘ sagt, dann meint er damit: ‚Guten Tag. Schön, dich zu sehen. Ich hoffe es geht dir gut?‘. Also: ‚Na?!‘“

Sie schüttelt den Kopf, runzelt die Stirn und sagt: „Da unten liegen ganz viele Äpfel unter dem Baum, wo wir immer spielen. Die stinken, und außerdem sind da ganz viele Wespen.“

Dann geht sie weiter die Treppe hinauf.

Neuerdings – also seit etwa vier, fünf Jahren – geht das bei mir im Kopf alles nicht mehr so schnell. Und deswegen stehe ich noch immer vor meiner Wohnungstür, als eine Etage über mir folgender Dialog zu hören ist:

„Mama? Was ist eigentlich ein Sauerländer?“

„Hm. Schwer zu sagen. Jetzt zieh dir erst mal die Schuhe aus und komm rein.“

 

Text & Foto: -bevi

 

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