Manche Geschichten klingen so unglaubwürdig, dass sie einfach nicht wirklich passiert sein dürfen. Erst denkst du dir zwar: Wenn ich das einem erzähle, hält der mich für völlig bescheuert. Aber dann musst du es doch herausposaunen, auch auf die Gefahr hin, dich lächerlich zu machen. Nur um zu sehen, wie der Zuhörer reagiert.

Den hier glaubst du mir garantiert nicht, pass auf:

Ich mache die Haustür auf und sehe, dass auf dem Treppenabsatz zwischen Tür und Gehweg eines dieser Schoßhündchen mit Schleife im Haar hockt und kackt. Hm, denke ich, tut das denn Not, dass das Vieh sein Geschäft ausgerechnet da macht?

Also schaue ich mir einmal an, wer denn am anderen Ende der Leine ist. Pedikürte Wurstfinger mit dicken Klunkern daran, die tief ins Fleisch schneiden, Pelzjacke, sturmfeste blonde Dauerwelle, elaboriertes Make-up – Typ Katzenberger, aber schon reifer.

Die Dame mustert mich herablassend von oben bis unten, rollt mit den Augen und betrachtet wieder ihr Hündchen. Dies hat soeben seine Notdurft befriedigt und beschnuppert nun ausgiebig das Ergebnis seiner Bemühungen.

Die Dame öffnet derweil ihre Handtasche und holt eine Rolle geblümten Klopapiers daraus hervor. Aha, denke ich, die Frau ist in Ordnung. Sie macht die Sauerei weg, da kann man nicht meckern. Vorsichtig hebt sie nun ihren kleinen Liebling hoch und wischt ihm den Hintern ab. Das Stück Klopapier aber drückt sie in den Hundehaufen wie die Fahne einer siegreichen Macht. Da bleibt mir glatt die Spucke weg. Mit dem sauberen Tier auf dem Arm schenkt sie mir noch einen missbilligenden Abschiedsblick – als könnte sie nicht fassen, dass einer so bescheuert aus der Wäsche guckt wie ich – und stöckelt davon.

Das kann man sich doch nicht gefallen lassen, denke ich, da muss man doch was machen! Ich nehme all meine Empörung zusammen, mache einen Schritt nach vorn und merke augenblicklich, dass ich nun wirklich einen Fehler begangen habe.

Und während ich lauthals fluchend meinen Schuh mit spitzen Fingern ausziehe, geht im Parterre die Tür des Hausbesitzers auf und der gute Mann kommt auf mich zu: Aktentasche an der Hand, frisch geduscht, fertig fürs Büro. Er bleibt stehen, erfasst mit wenigen Blicken die Situation und legt seine Stirn in Falten:

„Die Sauerei machen Sie aber noch weg, klar?“

„Klar“, sage ich, „aber …“

„Kein Aber, machen Sie es einfach.“

Angewidert zwängt er sich an mir vorbei und geht seines Weges. Siehst du? Du glaubst es mir nicht, und trotzdem ist das alles genau so geschehen.

Warum passieren eigentlich immer nur mir solche Sachen?

 

Text: -bevi

 

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