Kölner Stadtschreiber

Streifzüge im Schatten des Doms

Das Skulpturenpaar auf dem Haus Siegfriedstraße 2 in der Kölner Südstadt

HINTERGRUND. Mein Weg führt mich sehr oft über die Bonner Straße in der Kölner Südstadt. Und jedes Mal, wenn ich an der Ecke Siegfriedstraße/Alteburger Wall vorbeikomme, geht mein Blick nach oben und ich frage mich, was es eigentlich mit diesem Skulpturenpaar auf dem Giebel des Hauses Siegfriedstraße 2 auf sich hat: ein Mann und eine Frau, die, eng aneinander gelehnt, entschlossen nach vorn blicken. 

Kölner Stadtschreiber: Skulpturenpaar auf dem Haus Siegfriedstraße 2 in Köln

Da das Haus unter Denkmalschutz steht (es hat die Nummer 1365 und ist seit dem 22. März 1983 geschützt), habe ich eine schriftliche Anfrage an den Stadtkonservator beim Amt für Denkmalschutz und Denkmalpflege gerichtet. Es stellte sich heraus, dass die Bauakten der in Rede stehenden fünfgeschossigen Wohnhausgruppe im Zweiten Weltkrieg vernichtet worden sind.

Der Name des Bildhauers, heißt es in der Antwort, sei nicht bekannt. Der Stil der Gruppe entspreche dem zur Erbauungszeit üblichen, wie ihn beispielsweise Eduard Schmitz bei seinen Skulpturen für die Kölner Messe vertrat. Die Gruppe stelle ein Ehepaar als Keimzelle der Gesellschaft dar, möglicher Titel: „Ehepaar“.

„Keimzelle der Gesellschaft“: Das klingt in meinen Ohren nach „deutscher Leitkultur“, von der in den letzten Jahren aus der rechten Ecke immer öfter die Rede ist. Von der neoklassizistischen Ästhetik her erinnern diese Figuren durchaus an die Herrenmenschenideologie der Nationalsozialisten. 

Daher habe ich mich gefragt, ob es einen Zusammenhang zwischen dieser Idealisierung und dem Namen der Straße gibt. Schließlich ist der Siegfriedmythos – groß, blond und blauäugig ‑ ein Fixpunkt im Germanenkult der Nationalsozialisten. Und in der Kölner Altstadt haben die braunen Herren ja schon ein gut erhaltenes Memorandum ihrer Gesinnung hinterlassen (siehe „Der Siegfried in der Kölner Altstadt“).

Also habe ich bei Rüdiger Schünemann-Steffen nachgefragt, dem Autor vom „Kölner Straßennamen-Lexikon“. Hier seine Expertise:

„Da die Straße schon 1889, also zu Beginn der Neustadt-Bebauung, benannt wurde, ist erst einmal kein Zusammenhang mit der NS-Zeit erkennbar. Warum die Straße seinerzeit genau so benannt wurde, habe ich nicht mehr recherchieren können. Ebenso wenig weiß ich (bisher), wann die Figur des Siegfried (mit Partnerin) auf dem Giebel Siegfriedstraße 2 (siehe „Kölner Straßennamen-Lexikon – Gesamtausgabe, Seite 737) aufgestellt wurde bzw. welcher Bildhauer dafür verantwortlich ist.“

Fazit: Herkunft und beabsichtigte Aussage des Skulpturenpaares sind nicht nachweisbar. Das Haus wurde übrigens bereits um das Jahr 1923 errichtet.

Text & Fotos: -bevi

 

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1 Kommentar

  1. Michael Waßerfuhr

    24. August 2018 at 18:24

    Sehr schön. Diese Skulpturen wollte ich auch schonmal beschreiben. Habe es sein lassen, weil ich es so gut nicht hinbekommen hätte.

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