Ein Porträt von Alexandra Runge (Foto: Nils Kühmstedt)

23. März 2017. Bernd Vielhaber (*1959) sitzt auf einer Bank und dreht die Zigarette geübt, bevor er genüsslich den ersten Zug nimmt. Er beobachtet seine Umgebung.

Wäre er Schauspieler, würde man ihn eher als Charakterkopf denn als Lebemann besetzen. Spielen könnte er die eine oder andere Rolle, denn er ist vieles im Leben gewesen: Student, Demonstrant, Kriegsdienstverweigerer, Hilfsarbeiter, Barkeeper, Spielplatzgeräte-Aufsteller, Lektor und Journalist. Eher „kantig“, das sagt man den Sauerländern ja nach. Als geradlinig kann man das Leben des gebürtigen Langscheiders auch nicht bezeichnen. Seine Stimme klingt angenehm heiser, und es schwingt ein wenig „Pott“ mit, wenn er erzählt.

Aus einer Arbeiterfamilie stammend, war sein Weg in die studierte Welt nicht vorgezeichnet. Der Vater hätte ihn gerne „in die Fabrik gesteckt“. Für sein Abitur hat er gekämpft, bevor er der Enge der Kleinstadt  entweichen konnte. Die Flucht ging zunächst nach Münster zum Studieren. Was blieb, ist der Spitzname: „Backy“. Den hatte bereits der Vater. Ein Rennfahrer soll Pate gestanden haben, dass alle „Bernds“ des Ortes diesen Spitznamen erhielten.

Das im Studium der katholischen Theologie geforderte Dogma des unbedingten Gottesglaubens widersprach dem Weltbild des jungen Studenten, weshalb  Germanistik und Philosophie folgten. Der vorzeitige Abbruch erfolgte „bei dem Gedanken, als Lehrer zu enden“.

Der Umzug nach Köln vor rund 30 Jahren brachte ein wenig Ruhe ins Leben des Umtriebigen. Anfangs als Verlagskaufmann, zuletzt als Redakteur der „Kölner Illustrierten“ berichtete er über das Leben von anderen.

Denen begegnet er unter anderem beim Spaziergang durch die Flora, im Museum oder im Kino. Oder in der Kölner Südstadt. Dort sitzt der Mann mit dem Charakterkopf dann gern auf einer der Rundbänke auf dem Chlodwigplatz, dreht seine Zigarette und beobachtet Leute. Er sei eher der optische Typ. „Herauszufinden, was dahintersteckt!“, das sporne ihn an.

Er hat einen Traum, der Junge aus dem Sauerland: „Stadtschreiber für die Stadt Köln. Gibt‘s das? Das wär‘s!“

Dann könnte er wieder seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen:  sich treiben lassen, beobachten und berichten.

Alexandra Runge ist Journalistin und lebt in Alfter.
Hier geht es zu dem Interview, das die Kollegen von Kölschgänger auf Facebook mit mir geführt haben.
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