Kölner Stadtschreiber

Streifzüge im Schatten des Doms

Wegen dem Zoll

Gastbeitrag von Peter Beringhoff

Vor ein paar Wochen ging ich zur Post, um einige Briefe, die bei mir gelandet waren, nach Maasmechelen in Belgien zu schicken, da dort der rechtmäßige Empfänger wohnt.

Ich hatte sie in zwei große DIN-A4-Umschläge gesteckt, die nicht dicker als zwei Zentimeter waren und auch nicht mehr als 500 Gramm wogen. Also alles okay, dachte ich.

Ich war sofort dran, legte die Umschläge vor die Post-Dame auf den Tresen, und sie fragte mich direkt, ob da Dokumente drin seien.

Mein Hirn ratterte los, damit hatte ich nicht gerechnet. Dokumente?, fragte ich mich selbst?

„Ja“, antwortete ich, „was soll da denn sonst drin sein? Butterbrote? Da sind Briefe drin.“

Das tue ihr leid, aber Dokumente könne man so nicht verschicken.

„Wie bitte?“, entfuhr es mir.

Ja, seit dem 1.1. dürften Dokumente so nicht mehr ins Ausland verschickt werden, und das ginge ja nach Belgien. Und wenn die Umschläge dann zurückkämen, würde ich mich bei ihr beschweren.

„Ja, das werde ich auf jeden Fall tun“, sagte ich, „ich werde vorbeikommen und dir mächtig die Ohren langziehen. Wieso dürfen Briefe denn nicht mehr in Umschlägen ins Ausland gesendet werden?“

Das habe überhandgenommen, hörte ich sie sagen.

Überhandgenommen? Ich war kurz verwirrt, fragte nach, ob ich denn bei der Post sei. „Und Sie verdienen doch mit dem Versenden von Briefen ihr Geld? Und das hat überhandgenommen?“

„Ja“, sagte sie.

Toll, dachte ich. Das ist auch eine Herangehensweise. Überhandgenommen? Jede Firma die reißenden Absatz macht, freut sich darüber, dass sie Geld verdient, aber nicht so unsere Post.

„Da werden Briefe aus China für nur einen Euro nach Deutschland geschickt“, sagte ihr plötzlich von hinten aufgetauchter Kollege. „Das geht doch nicht.“

Ach, das geht doch nicht?

„Außerdem ist das wegen dem Zoll“, sprach er weiter.

Zoll? Nach Belgien? Das ist doch EU!

„Was für ein Zoll“ fragte ich.

Auch denen sei es zu viel geworden, sagte er. Ich war vor lauter Dummheit überfordert.

„Wie bekomme ich denn diese Briefe nun nach Belgien? Mit der Schneckenpost?“, fragte ich.

Nein, sagte sie, ich müsse die Briefe in einen Karton stecken und als Paket verschicken.

„Und was kostet das?“

11 Euro, was 3,20 Euro mehr waren als im normalen Briefumschlag.

Toll – seitdem denke ich darüber nach, überhaupt noch etwas mit dieser Firma zu transportieren. Ich weiß ja nicht, was die sich als Nächstes ausdenken werden: Der Brief riecht nicht richtig, ist zu leicht, die Ecken sind zu eckig oder er ist zu sehr verklebt? Der Organismus Post ist zu jeder befremdlichen Geburt bereit.

Text: Peter Beringhoff; Foto: -bevi

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1 Kommentar

  1. Gisela Siebert

    28. Februar 2019 at 14:54

    Nicht zu fassen, aber ich glaube es unbesehen. Typisch Post. Vielleicht ist das ihre Strategie den Umsatz zu erhöhen 🤔 Beim nächsten Mal würde ich mir was ganz Besonderes als Antwort bezüglich des Inhalts überlegen…

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