KOMMENTAR. Artikel 14 Absatz 2 des aktuell geltenden deutschen Grundgesetzes besagt: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ Das Bundesverfassungsgericht hat in der Vergangenheit anschaulich gemacht, dass dies nicht für jedwedes Eigentum gilt, sehr wohl aber für solches, das von sozialer Relevanz ist.

Am Kartäuserwall 14 in der Kölner Südstadt ist seit vielen Monaten eine Lücke in der Häuserreihe zu finden. Der Spot liegt ganz nah an der Severinstorburg. Vielleicht ist es ja ein lebendiges Kunstwerk, eine Installation …

… oder der neue Biergarten der Kneipe „Lotta“ gleich daneben? Wohl kaum.

Das Grundstück gehört der Firma „Gewerbepark Hüsten GmbH“, die ihren Sitz in Arnsberg hat, also im Sauerland. Diese Firma hat nicht einmal eine eigene Website. Laut firmenwissen.de umfasst ihr Geschäftsbereich die „Verwaltung von Grundstücken, Gebäuden und Wohnungen für Dritte“.

Wenn sich eine Firma selbst den Namen „Gewerbepark“ gibt, ist hinsichtlich ihres Unternehmensziels wohl kaum mit der altruistischen Bereitstellung von kostengünstigem und städtebaulich attraktivem Wohnraum zu rechnen.

Die Gewerbepark Hüsten erteilt keine Auskunft zum Grundstück Kartäuserwall 14.

Was hier und in anderen Teilen der Kölner Südstadt zu beobachten ist, wird im Veedel und darüber hinaus unter dem Stichwort „Dritte Gentrifizierungswelle“ diskutiert. Gentrifizierung heißt, dass die bisherigen Einwohner eines großstädtischen Viertels verdrängt werden sollen, um den wirtschaftlich nutzbaren Raum dieses Viertels – vulgo: die Mieten – deutlich teurer zu vermarkten.

Darf eine Stadt es sich gefallen lassen, wenn in einem ihrer zentralsten Viertel ein Grundstück demonstrativ darauf wartet, dass die Nachbarhäuser abgerissen werden? Häuser, in denen Menschen leben? Darf eine Stadt sich so etwas bieten lassen? Was ist das überhaupt: eine Stadt? Wodurch wird eine Stadt zu dem, was sie ist? Wem gehört eine Stadt?

Ein Stück von Köln gehört jedenfalls  einer Immobilienfirma aus dem Sauerland.

Was die daraus macht, ist am Kartäuserwall 14 zu besichtigen. 

Text & Foto: -bevi

Siehe zum Thema auch den EXPRESS-Artikel von 5.9.2015.

 

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